Auf dem Wege zu weniger Europäern |
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Paul Gerbrands
1. Nach wie vor ist es Usance in der Europäischen Union, dass Länder mit den meisten Mündern auch die meisten Stimmen und deshalb die meisten Sitze im Europäischen Parlament bekommen. Macht definiert sich ja für jedes Land als die Zahl der Einwohner. Der Gehalt eines Bürgermeisters hängt in fast allen europäischen Ländern von der Einwohnerzahl seiner Gemeinde ab: Je mehr Einwohner, desto höher sein Gehalt. Großflächige Länder mit wenig Einwohnern haben das Unglück, dass sie bei europäischen Entscheidungsprozessen kaum Gewicht einlegen. Kleine Länder mit geringer Einwohnerzahl zählen überhaupt nicht mit. Finland ist ein ausgedehntes, dünn bevölkertes Land, das kaum über Rohstoffe verfügt. Es hat für Europa nur politisch-strategische Bedeutung. Große, dicht bevölkerte Staaten wie Italien, Deutschland, England und Frankreich haben jeder für sich eine lautstarke europäische Stimme. Um sich auch eine Stimme im Rat zu verschaffen, muss sich ein Land wohl bemühen, seine Einwohnerzahl zu vermehren.
Es handelt sich hier um die Europäische Union, eine durchaus demokratische Organisation. Die meisten internationalen Staatenorganisationen sind aber nicht demokratisch. Sie widerspiegeln keineswegs die Meinung eines Weltelektorats, sondern die der Mehrheit der Regierungen einflussreicher Mitgliedstaaten. Viele dieser Regierungen sind keine Demokratien, sondern unterdrückende Regimes, die ihre Einnahmen für Jetset-Konsum der Elite, Prestige-Projekte und allermodernste Waffen verwenden.
2. Es ließe sich auch ein anderes Kriterium für die Machtzuweisung formulieren. Nicht die absolute Einwohnerzahl eines Landes, sondern sein sparsamer Umgang mit Energie, seine Umweltschonung und seine Zurückhaltung bei der Belastung anderer Länder zugunsten der eigenen Wohlfahrt. Ein solches Land wirkt vernünftig, weil es dem Umstand Rechnung trägt, dass die Erde nicht ungestraft für die immerzu wachsenden Launen einer sich breit machenden Menschheit herhalten kann. Durch billiges ‘Einkaufen’ mittels einer expansionistischen Kolonialpolitik wurden jahrhundertelang ein europäisches Bankrott abgewendet und zugleich ein wirtschaftlicher Vorsprung auf den Rest der Welt sichergestellt.
3. Unter dem Banner des notwendigen Wirtschaftswachstums und anderer engstirniger Ideale sind europäische Staaten nach wie vor geneigt, die Lösung ihrer wirtschaftlichen Probleme jenseits ihrer Grenzen zu suchen. Denn es lauert ein Festfahren der europäischen Wirtschaft infolge eines Überkonsums, der durch die Werbung angeheizt wird, durch die Sprengung der ökologischen Schranken der verfügbaren Erdoberfläche und durch einen Mangel an Energie, Nahrung und Trinkwasser. Dem Durchschnittsbürger bleibt dies alles jedoch weitgehend verborgen. Die Leichtigkeit, mit der Europa die Probleme bagatellisiert, indem es dauerhaft auf Expansion und Größenwachstum einsetzt, ist nicht zu verantworten. Eine andere Strategie als die gedankenlose Befürwortung des Wachstumsmodells wäre weitaus besser. Die Industrieländer sind stark überbevölkert und überstrapazieren ihre Erdfläche zu eigenem Nutzen. Sie müssen ihre Grenzen überschreiten. Sie glauben, ihre Produktion und ihren Konsum hemmungslos fortsetzen zu können, als wäre die Erde unerschöpflich. Europas einziges Zugeständnis ist ein bisschen Schuldenerlass für die Entwicklungsländer. Es hört sich edelmütig und human an, aber bezeugt alles andere als ein langfristige wirtschaftliche Intelligenz.
4. In einigen ‘armen’ Ländern, unter denen China, Indien und Pakistan, hat offensichtlich ein unaufhaltsamer wirtschaftlicher Aufschwung begonnen. Ihr wachsender Bedarf an hochwertiger Nahrung, sauberem Trinkwasser und nachhaltiger Energieversorgung wird nicht nur ihren Anspruch auf die Weltvorräte verstärken, sondern sie auf die Dauer auch dazu zwingen, die eigenen Reserven für sich zu behalten. In der Weise werden sie versuchen, ihre wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Indes sind künftig auch ihre Überproduktion, ihr Überkonsum sowie ihre ‘Menschenerzeugung’ zur Diskussion zu stellen. Bevor in der Dritten Welt ernsthaft von einer substantiellen Verringerung der Einwohnerzahl die Rede sein kann, wird auch dort der Überkonsum wie in den Industriestaaten die gleichen verheerenden Folgen nach sich gezogen haben. Der industrielle Abfallberg (dazu gehören auch Milliarden Tonnen CO2-Gas) wird, gleich wie in Europa, zuerst exponentiell wachsen, bevor der Umfang des Problems voll erkannt wird. Immer mehr Einwohner der Dritten Welt werden versuchen, ihren menschenunwürdigen Umständen zu entkommen, die durch künftige Nahrungskriege, grobe Verletzungen der Menschenrechte und sonstige Notsituationen herbeigeführt werden.
Wenn dann diese Menschen an den Grenzen der ‘Festung Europa’ aufgehalten werden, werden sie dafür kaum Verständnis haben. Das wird sich nicht ändern, solange Europa nicht einsieht, dass es durch seine ungehemmten wirtschaftlichen Forderungen selbst in wesentlichem Ausmaß zum Festfahren der Weltwirtschaft beiträgt. Schließung der Grenzen verlangt eine Gegenleistung. Wir dürfen unsere Wohlfahrt nicht auf Kosten anderer Länder aufrechterhalten. Womöglich ist wirtschaftlicher Schrumpf unumgänglich. Auf alle Fälle sollte verhütet werden, dass unsere Industrie-Äbfälle dauernd ausgeführt und emittiert werden, während uns wertvolle Sachen wie Rohstoffe und Nahrungsmittel allzu leicht zufließen, wenngleich sie woanders dringender gebraucht werden. Im Klartext: Sparsamkeit mit Rohstoffen, Zurückdrängen des Überkonsums, Verringerung der Menschenzahl.
Das würde aber auch heißen, dass jeder Fortpflanzungszuschuss, wie Kindergeld, Kinderkrippengeld, IUI- und IVF-Vergütung abgeschafft werden sollte. Des weiteren dürfte kein Mensch ein Einkommen beziehen aus Produkten, die Leiden oder Umweltschäden verursachen. Zu denken is an Kinderarbeit, an die Baumwolle- und Soja-Industrie, den Einfuhr von Nahrungsmitteln aus weit entfernten Ländern, den Ausfuhr von Viehzuchterzeugnissen und an vermeidbare Mobilität. Gleichfalls sollte keiner bei Betrieben einkaufen, die sich dessen schuldig machen. Es könnte damit anfangen, dass bestimmte Güter versteuert werden: ein Kennzeichen für das zweite Fahrzeugs, Kerosin, die Motorkapazität von Luxusjachten, Fleisch und Molkereiprodukte, grauer Strom und Erdgas. In Zukunft könnten solche Güter rationiert oder sogar verboten werden, z. B. die alte Glühbirne. Erlaubnisse könnten versteigert oder verlost werden. In Beijing und Singapore trifft dies für die Kfz-Kennzeichen zu. Konzessionen werden ja auch für Fischerei und Viehzucht vergeben.
5. Entsprechende Maßnahmen werden nicht leicht getroffen, denn wir sind gewohnt, erst dann einzugreifen, wenn wir persönlich heimgesucht werden, und es folglich bereits zu spät ist. Der internationale Terrorismus wurde erst dann richtig in Angriff genommen, als die ‘zivilisierte’ Welt es mit der Angst zu tun bekam und fürchtete, dass es ohne Gegenmaßnahmen ganz schiefgehen würde. Vor Armut und Hunger empfinden wir bis heute noch keine richtige Furcht. Hunger ist weit von hier. Erst wenn die Nahrungsmittelversorgung endgültig zusammenbricht, werden wir eingreifen. Wenn der Europäer seine Würde in einer stinkenden und überfüllten Gesellschaft, in der keiner mehr gegen Krebs und Krankheiten der Atemwege gefeit ist, selbstverschuldet zu verlieren droht, erst dann werden Überkonsum und Überproduktion auf die politische Tagesordnung Europas gesetzt. Bis dahin wiegen wir uns in dem Missverständnis, dass alles nicht halb so schlimm ist. Denn wir glauben, dass die künftige Technologie für die Lösung sämtlicher Probleme herhalten kann, inklusive Armut, Hunger und Durst.
Wie Strauße mit dem Kopf im Sand nehmen wir dieses Missverständnis hin. Europäer reden von Nachhaltigkeit, aber wer möchte keine pflegearmen Fensterrahmen aus Hartholz, auch wenn diese auf Kosten des Tropenwaldes gehen? Zwar sind Kunstoff-Fensterrahmen nahezu wartungsfrei, doch gehen ihre Produktion und Wiederverwertung auf Kosten unersetzbarer fossiler Rohstoffe. Die Suche nach alternativen Möglichkeiten, den herrschenden Konsumbedarf zu erfüllen, kennzeichnet die europäische Gesellschaft.
6. Laut der VN-Umweltorganisation UNEP schwebte schon 2002 eine drei Kilometer dicke Smog-Schicht über Indien, Pakistan, Bangladesh und ihren Nachbarstaaten. Diese Schicht, die der Landwirtschaft kollosalen Schaden zufügt, hat sich mittlerweile mehr und mehr verdichtet. Sie ist das Ergebnis eines dramatischen Anstiegs im Verbrauch fossiler Brennstoffe infolge des Verkehrs und der Industrie in Staaten, die uns als Entwicklungsländer bekannt sind. Die Verschmutzung verschlimmert sich durch den Rauch von Millionen privater Kochherde, in denen Holz, Kuhdünger und sonstiges Biomaterial verheizt werden. Die Smog-Schicht blockt etwa 10 % des Sonnenlichts ab und dehnt sich mit der Zeit über den Rest der Welt aus. In kommenden Jahrzehnten wird die Zahl der Einwohner Asiens auf 4 bis 5 Milliarden heranwachsen. Erwartungsgemäß wird durch ihr Wohlfahrtswachstum der Gebrau ch fossiler Brenstoffe keineswegs mit der Bevölkerungszunahme Schritt halten, sondern diese weit übersteigen.
7. Auch in nächster Nähe geht es schief. Zur Zeit verbürgen uns europäische Städte und Regionen wie Paris, Lyon, London, Liverpool. Antwerp, Wallonien, Rotterdam, die sogenannte holländische Randstadt, das Ruhrgebiet, Rom, Neapel, die Po-Fläche und viele andere europäische Industriezentren ein geradezu ungesundes Leben. Auch unsere Wohlfahrt wird erwartungsgemäß einstweilen weiter ansteigen, genau wie unser Überkonsum und unsere Umweltverseuchung. Der Kyoto-Vertrag zeigt musterhaft, dass wir unsere heutige Wohlfahrt partout aufrechterhalten wollen, ohne die eigentlichen Ursachen wie Überkonsum und Überbevölkerung mitzuberücksichtigen, damit die massige Verseuchung und Zerrüttung der Welt endlich einmal zurückgedrängt werden. Zwar ist Kyoto ein Schritt vorwärts, doch es verharrt in dem Versuch, unseren kostspieligen Lebensstil mit technischen Mitteln aufrechtzuerhalten. Der Gedanke bloß, dass überhaupt Knappheit entstehen könnte, treibt uns zu weiteren Investitionen, statt uns in puncto Erde eines Besseren zu belehren. Mit der Zeit könnte diese Haltung dem Spezies Mensch zum Verhängnis werden. Die geringfügige Drosselung von Produktion und Konsum gemäß Kyoto ist auf die Dauer völlig irrelevant.
8. In Anbetracht der Beharrlichkeit und Verbissenheit, mit denen wir Europäer unsere Lohnanforderungen durch Gewerkschaftsaktionen akzentuieren, ist eine einsichtsvolle Bereitwilligkeit, den Lebensstandard zu mäßigen, kaum zu erwarten. Die einzige Alternative wäre eine substantielle Verringerung der Bevölkerungszahl, die ja für die massige Überkonsumption und Umweltverseuchung verantwortlich ist. Dem Problem der Überbevölkerung wird häufig mit einem Schmunzeln begegnet, als sei alles nur halb so schlimm. Jede Fürsprache für eine Verringerung der Kinderzahl wird in der Regel als menschenfeindlich abgetan. Allenfalls wird nahegelegt, dass Mutter Natur schon eingreifen wird. Dennoch hat die Drosselung der Bevölkerungszahl ansatzweise begonnen. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau geht leicht zurück, u.a. in Europa und Japan. Dies hat dazu beigetragen, dass sich die mondiale Durchschnittsfruchtbarkeit der Frau von 3 Kindern im Jahre 1998 auf 2,5 Kinder im Jahre 2002 verringert hat. Nichtsdestoweniger wird auch bei dieser Geburtenziffer die Weltbevölkerung von sechs Milliarden auf mehr als 9,2 Milliarden Menschen im Jahre 2050 ansteigen. Dieses Wachstum wird sich nicht nur auf die Dritte Welt beschränken, sondern durch Migration teilweise auch Europa befallen. Wenn dieser neue Zuwachs der bereits vorhandenen Genossenschaft von Überkonsum und Verseuchung beitreten wird, dann stehen uns Überlebenskriege bevor, und wird die Menschheit weit zurückgeworfen werden.
9. Eine Geburtenziffer von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau wird generell als ausreichend für den Ersatz der Elterngeneration betrachtet. Unterhalb von 2,1 Kindern würde die Bevölkerung eines Landes schrumpfen. Diese Annahme ist jedoch falsch. Die endgültige Bevölkerungszahl wird weiter durch Sterbeziffer und Zunahme der Lebenserwartung bestimmt. Der Verzögerungseffekt vorgängiger Generationen mit einem Ersatzfaktor über 2,1 führt dazu, dass die Bevölkerungszahl erst bei einem Ersatzfaktor unter 2,1 bei allen Kohorten abnimmt, abgesehen von Migrationseffekten. Mit einer globalen durchschnittlichen Geburtenziffer van 2,0 Kinder pro Frau würde es laut VN im Jahre 2050 noch immer 8,9 Milliarden Menschen geben. Dies bedeutet ein Wachstum von knapp 3 Milliarden im Vergleich zu 2002. Die Tabelle unten zeigt die sowohl überraschende wie erschreckende Prognose einer überwältigenden Bevölkerungszunahme im Jahre 2025, sogar in Ländern, wo die Kinderzahl pro Frau ein historisches Tief erreicht hat.
Wenn wir uns die Studien von Wackernagel über den Gesamtbedarf der Menschheit und das Aufgebot der Erde vornehmen, dann leuchtet ein, dass das Angebot an Nahrung und Energie der ökologischen irdischen Fläche keineswegs ausreicht, um sämtlichen menschlichen Bedürfnissen zu entsprechen. Der nationale ‘ökologische Fußabdruck’ eines jeden Landes übersteigt nahezu immer seine Möglichkeiten. Daher weisen viele Länder ein ‘ökologisches Defizit’ auf. Insbesondere die Industriestaaten zeigen einen chronischen ‘Mangel ökologischen Bodens’. An erster Stelle sollte jedes Land dieses Defizit durch eine Reduktion seines Einwohnerkonsums begleichen. Dies wird den Industriestaaten überaus schwer fallen, da Wohlfahrt die weitaus heiligste Kuh ist. Mit 10 Milliarden Menschen, die alle einen hohen Lebensstandard anstreben, würden wir 2050 zwei Erdkugeln brauchen, um die Nachfrage zu erfüllen. Fürwahr keine schöne Voraussicht!
10. Auch für die sich entwickelnden Länder wird jeglicher Verzicht auf Wohlfahrt keineswegs akzeptabel sein, da Wohlfahrt gerade dort als die einzige Möglichkeit betrachtet wird, der Armut zu entkommen. Verringerung der Konsumentenzahl wäre auch dort die beste Alternative.
11. Wieviel Boden ein Mensch genau braucht, um verantwortungsvoll und nachhaltig seinen Bedürfnissen nachzugehen, wird durch seinen Konsumbedarf bestimmt. Dabei handelt es sich um Faktoren wie Nahrung, Behausung, Beförderung, Konsumgüter und Dienstleistungen wie Gesundheitsfürsorge. Um all diesen Bedürfnissen entsprechen zu können, bedarf es verwertbaren Landes. Es muss ständig den totalen Verbrauch natürlicher Ressourcen ersetzen und Müll und Emissionen in sich aufnehmen können. Die Gesamfläche verwertbaren Landes, die eine bestimmte Menschenmenge braucht, wird als ihr ‘ökologischer Fußabdruck’ bezeichnet. Die Erdoberfläche ist jedoch keineswegs überall verwertbar. Sie umfasst 14,5 Milliarden Hektare Land und 36 Milliarden Hektare Meer. Nach Abzug von Eiskappen, Wüsten, semiaridem, ödem und unfruchtbarem Land verbleiben knappe 11 Milliarden Hektare für den menschlichen Gebrauch. Dividiert man diese Menge durch die momentane Weltbevölkerung von 6 Milliarden, dann stehen jedem Erdbewohner etwa 1,5 Hektare zur Verfügung. Allerdings schwanken die Schätzungen der verfügbaren ökologischen Biokapazität. Im Brundtlandt-Report von 1992 wurde vorgeschlagen, 10% der verwertbaren Erdoberfläche als Territorium der Tiere anzuweisen. Es würden dann 9 Milliarden Hektare ökologischer Boden für die Menschen übrigbleiben. Abhängig vom Individuum und Gesellschaftstypus kann der jeweilige Landbedarf erhebliche Unterschiede aufweisen; unverkennbar ist jedoch, dass die individuelle Nachfrage nach ‘Lebensraum’ mit dem Einkommen zunimmt. Und dieses steigt ständig an, überall in der Welt.
12. Wird die Erde ständig verantwortungslos ausgenutzt, dann ist von Raubbau die Rede. Das Land trägt immer weniger ein, und der Mensch lebt nicht mehr von den Zinsen der Natur, sondern verzehrt das Kapital der Erde. Dies trifft bereits für Europa zu. Die EU wertet eine Oberfläche aus, die die ihrige weit übersteigt.
13. Nachfolgende Tabelle zeigt für die meisten Staaten der EU die wirkliche Einwohnerzahl und die u. E. erwünschte Einwohnerzahl beim heutigen Wohlfahrtsniveau. Es wird z.B. klar, dass die Bundesrepublik z. Zt. 5,1 Ha ökologischen Boden pro Person braucht, obwohl sie pro Person nur über 1,9 Ha verfügt. Sollte man den Bevölkerungsdruck von 231 Personen pro Quadratkilometer auf 86 Personen senken können, dann würde die Bundesrepublik die Erde nicht mehr überfordern. Das würde eine Reduktion von gut 82 Millionen Bundesbürgern auf etwa 30 Millionen mit sich bringen.
14. Deutlich tritt hervor, dass die Bevölkerung Europas beim heutigen Konsumniveau viel zu groß ist, um Nachhaltigkeit zu bewirken. Für diese Problem gibt es mehrere Lösungen:
Es wird einleuchten, dass eine höhere Einwohnerzahl weniger problematisch ist, sobald ihr Konsumniveau beträchtlich herabsenkt.
Die Tabelle setzt voraus, dass die Erdbewohner insgesamt ihre natürlichen Ressourcen auswerten. Der Fußabdruck eines Landes ist die Gesamtoberfläche, die es braucht, um diese Ressourcen aufrechtzuerhalten. Weil sie weltweit ausgenutzt werden, basiert der Fußabdruck auf ihrer Gesamtheit. Länder unterscheiden sich stark in Produktivität und Konsum. Mithin bezeichnet der Begriff Hektar hier einen gewogenen Durchschnitt der ökologischen Oberfläche, gegeben die weltweite ökologische Gesamtoberfläche, bei der auch Fischgründe mitberücksichtigt wurden. Die Tabelle ist rein indikativ und will lediglich zu einer Diskussion über die Überbevölkerungsfrage im Zusammenhang mit dem Konsumniveau anregen.
Tabelle: Zusammenhang zwischen Fußabdruck und Bevölkerungsdichte in den Ländern der Europäischen Union; Daten aus 2007.
Quelle: Living Planet Report, WWF, Schweiz 2010, Daten aus 2007.
Legende:
Zu Spalte 3, nachhaltiger Fußabdruc
Zu Spalte 7, nachhaltige Bevölkerung (in Millionen)
Grundlagen des Living Planet-Reports
Wie wird der Fußabdruck berechnet? |
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Paul Gerbrands, Vorsitzender